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Bolesław Leśmian: Der Strom

Die Nacht glich jeder Nacht, die Trauer – jeder Trauer.
Etwas wollte sich vergolden, doch es mangelte an Zeit.
Der Strom ließ seine Ufer fallen, erhob sich von der Aue,
Und zu Ewigkeit aufgerichtet, zog er mitten durch den Wald.

Er ging zum Kreuze in der Öde, wo im Zweifel ihrer Sterne
Die Unendlichkeit sich an den Seufzern der Minze ermannt –
Und seine strömende Brust schlug er tief ins Holz
Und blieb dort hängen, ohne Grund ans Kreuz gebannt.

Wozu brauchst du, Traum-Woge, am Kreuze die Nächte?
Für wen, Stolzes Wasser, willst du verkommen, verenden?
Für die, die ihren Grund und ihre Ufer auslebten –
Für die, die nicht wissen, wohin sich nun wenden.

© der dt. Nachdichtung bei Halina Nitropisch In: Georg Schwikart (Hg.),
Von Tag zu Tag. Ein Begleiter durch das Trauerjahr. Kreuz Verlag, Stuttgart 2005
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